Vom Regen, einem kaputten Staubsauger und unseren Katzen

So viel Regen wie in diesem Winter gab es lange nicht. Unsere Nachbarin Maria zur Rechten kann sich an solche wochenlangen Niederschläge auf Samos nicht erinnern. Ja, früher, in ihrer nordgriechischen Heimatstadt Kozani, habe es das schon mal gegeben, erinnert sich die alte Dame. Aber hier?

Die Wintermonate sind kalt, und die Feuchtigkeit zieht durch alle Ritzen. Das Meer und die Küstenlandschaften wirken wild, unfreundlich und fast feindlich. Die Leichtigkeit des ägäischen Lebensgefühls scheint verschwunden oder hat sich hier und dort in urgemütliche Tavernen oder Kafenia zurückgezogen, in denen ein kleines Öfchen bullert.

Zum Glück hatten wir uns rechtzeitig einen dieser griechischen Holzöfen, einen Ξυλόσομπα, angelacht, der speziell für knorriges Olivenholz hergestellt wird. Das gute Stück haben wir bei Stergios Athanasiou in der Sofouli-Straße erworben. Er ist Kaminbauer. Nein, er ist der Kaminbauer. Er hat den Ofen geliefert und fachgerecht eingebaut. Seitdem genießen wir in den nasskalten Nächten diese behagliche Wärme und einen kleinen Fernseher in flackernder Endlosschleife.

Aber Regen ist gut. Vor allem im Dezember, Januar und Februar. Auch im März ist er noch segensreich. Doch in diesem Jahr wollte er einfach nicht aufhören. Er bescherte uns ein nasskaltes Osterfest, und selbst am 1. Mai waren Parka und Regenschirm noch angesagt. Es wollte einfach nicht richtig Frühling werden. Auch das Erdreich war längst gesättigt und konnte schon lange keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Hänge begannen zu rutschen, und unterspülte Straßen mussten gesperrt werden. Betroffen war auch die kurvige Asphaltstraße hinauf nach Paleó Karlovasi. Kurz vor Pfingsten – das Wetter hatte sich mittlerweile gebessert – wurde auf dem betroffenen Abschnitt eine Ampelanlage eingerichtet und der weggespülte Hang mit Beton stabilisiert.

So konnten am Pfingstmontag auch die orthodoxen Geistlichen in ihren schwarzen Limosienen unbeschadet hinaufkutschiert werden, um an unserer Agios Triada den Gottesdienst zum Fest des Heiligen Geistes zu zelebrieren.


Durch die lange Dauer und die ungewöhnlich hohe Luftfeuchtigkeit haben auch einige Elektrogeräte ihren Geist aufgegeben. Bei uns verabschiedete sich der Staubsauger ins technische Jenseits. Die Garantie war natürlich pünktlich abgelaufen.
Der schnelle Verschleiß vieler Elektrogeräte scheint mittlerweile fast schon Teil des Geschäftsmodells zu sein. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: Obsoleszenz – die gezielte Begrenzung der Lebensdauer eines Produkts. Und im Handel lautet die übliche Empfehlung: neu kaufen. Eine Reparatur sei zu teuer – oder gar nicht erst möglich.

Doch im Laden von Georgios gilt eine andere Logik. Seine „Ηλεκτρο-Λύσεις“ – Elektro-Lösungen – haben sich auf die Reparatur, Instandsetzung und Wartung von Elektrogeräten spezialisiert. Außerdem findet man hier Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien wie Staubsaugerbeutel für nahezu jedes Haushaltsgerät.

Jedes Mal, wenn ich den kleinen Laden am Anfang der „Straße des 8. Mai“ in Meseo Karlovasi betrete, begrüßt mich der Besitzer mit seinen strahlend blauen Augen und einem breiten Lächeln: «Τι μπορώ να σου επισκευάσω σήμερα;» – Was kann ich heute für dich reparieren?

Bevor er einen Auftrag annimmt, untersucht Georgios das defekte Gerät. Den Kostenvoranschlag schickt er meist per Textnachricht aufs Handy. Stimmt der Kunde zu, folgt wenige Tage später – ebenfalls per Nachricht – die Mitteilung zur Abholung. Unkompliziert, schnell und effizient.

Als ich unseren reparierten Staubsauger abhole, zeigt mir Georgios mit spitzen Fingern das defekte Motörchen und schüttelt missbilligend den Kopf. Dann deutet er auf den schwarzen Plastikkorpus unseres Saugers. Er habe etwas Besseres eingebaut, erklärt er, und außerdem den neuen Staubsaugerbeutel mit einer Duftkapsel versehen.

Immer wenn ich nun das Gerät anschalte, strömt mir ein leichter Vanilleduft in die Nase, und ich muss an die strahlend blauen Augen und das breite Lächeln von Elektro-Georgios denken.


Wer in Griechenland lebt, kommt - ob er will oder nicht - mit ihnen in Berührung: den Katzen. Sie wirken beinahe wie eine eigene Ethnie, die sich irgendwann freiwillig dazu entschlossen hat, mit den Menschen oder zumindest in ihrer unmittelbaren Nähe zu leben.

Vor zwei Jahren schloss sich uns die Katze einer Nachbarin ungefragt an. Sie sei schon sehr alt und habe sich offenbar ausgesucht, bei uns ihren Lebensabend zu verbringen, hieß es. Wir nannten sie Roula und gewöhnten uns rasch aneinander. Nach einigen Wochen begann sich das Tier äußerlich zu verändern. Roula bereitete sich offenbar keineswegs auf ihr Ableben vor - sie war trächtig. Wenig später brachte sie auf unserem Balkon vier Kätzchen zur Welt, die wir, so unerfahren wir auch waren, allesamt durchbrachten. Roula dagegen war ein Profi.

Nach einer glücklichen Kindheit in unserer geschützten Gasse konnten wir drei der Jungtiere an Freunde vermitteln. Eines behielten wir: Matti, eigentlich Mathilda. Ihre Mutter wurde im Herbst kastriert. Als wir beide Katzen über den Winter bei einer Freundin unterbrachten, war Matti noch zu jung für den Eingriff. Leider überlebte Roula den Winter nicht. Offenbar war sie doch schon deutlich älter gewesen.

Als wir im Frühjahr zurückkehrten, war auch Matti trächtig. Nun ja - inzwischen hatten wir zumindest etwas Erfahrung. Wieder gelang es uns, drei bildhübschen Kätzchen eine behütete Kindheit zu ermöglichen. Maxi, die Schönste der drei, nahm unser Nachbar Valantis auf. Für Siggi (eigentlich Sieglinde) und Mini fanden wir hingegen kein neues Zuhause. Matti ließen wir inzwischen kastrieren; ihre Töchter waren dafür noch zu jung.

Doch das Katzenleben folgt seinem eigenen Kreislauf. Im nächsten Frühjahr waren beide trächtig. Da Mini noch nicht weit fortgeschritten war, wurde sie kastriert. Siggi hingegen brachte in einer stürmischen Märznacht fünf Junge in unserem geschützten Hausflur zur Welt. Zwei von ihnen starben nach wenigen Tagen. Immerhin gelang es uns, Bobby, Emma und Mikroula durch das verregnete Frühjahr zu bringen.

Im Mai ließen wir auch Siggi kastrieren. Unsere Tierärztin war darüber nicht besonders glücklich. Es sei doch eine außergewöhnlich schöne Katze, gesund, gut sozialisiert und zudem eine hervorragende Mutter, meinte sie. Isidora sorgt sich um den Bestand der Tiere. Jahr für Jahr organisieren die Gemeinden groß angelegte Kastrationskampagnen, bei denen meist ausländische Tierärzte eingefangene Straßenkatzen versorgen. Sicherlich eine gut gemeinte Maßnahme. Doch die oft zufällige und unkontrollierte Auswahl der Tiere könne langfristig den gesunden Genpool der Katzenpopulation gefährden.

Einige Tage nach dem Eingriff wurde unsere Katze überraschend erneut rollig. Bald wurden wir von meist aggressiven Katern regelrecht belagert. Über Nacht mussten wir den drei Jungtieren Zuflucht in unserem Flur gewähren, weil sie von den paarungsbereiten Katern ständig bedroht wurden. Mehr als einmal konnten wir sie erst im letzten Moment aus deren Fängen retten.

Nachdem Siggi mehrfach, allerdings folgenlos, gedeckt worden war, endete ihre Geschlechtsbereitschaft ebenso plötzlich, wie sie begonnen hatte. Allmählich kehrte die unbeschwerte Zeit von Bobby, Emma und Mikroula zurück. Für die beiden Mädchen hatten sich bereits ernsthafte Interessenten gefunden. Den wilden Bobby wollten wir selbst behalten.

Doch am Montagmorgen der vergangenen Woche waren die Kleinen plötzlich verschwunden. Nur noch Großmutter, Mutter und Tante warteten wie gewohnt auf ihr Frühstück. Wir machten uns sofort auf die Suche. Tagelang. Vor allem in der Dämmerung. Ohne Erfolg. Wir informierten die Nachbarn. Die Kleinen würden schon wieder auftauchen, versuchte man uns zu beruhigen. Katzen versteckten ihre Jungen häufig für einige Zeit. Das sei ganz normal.

Doch Bobby, Emma und Mikroula sind nicht zurückgekehrt. Und wir haben keine Erklärung dafür.

Ein schwieriges und trauriges Frühjahr.